„Griechenland braucht praktische Unterstützung“

CDU-Bundestagsabgeordneter nahm an Delegationsreise nach Griechenland teil

Hermann Färber MdB im Gespräch mit dem griechischen Ministerpräsidenten Antonis Samaras in Athen.
Hermann Färber MdB im Gespräch mit dem griechischen Ministerpräsidenten Antonis Samaras in Athen.

„Ich habe drei intensive Tage in Griechenland erlebt und vor Ort mitbekommen, wie wichtig es ist, die dortigen Reformbemühungen zu unterstützen“, so der CDU-Bundestagsabgeordnete Hermann Färber. Er war Teil einer Delegation um den Griechenlandbeauftragten der Bundesregierung, Hans-Joachim Fuchtel.

„Ich bin froh, dass ich mir selbst ein Bild von der Lage machen konnte“, betont Hermann Färber. Der CDU-Bundestagsabgeordnete für den Kreis Göppingen zeigt sich begeistert vom großen Engagement zahlreicher Griechen, die mit jeder Menge Herzblut und ehrenamtlichen Tätigkeiten versuchen, ihr Land in Schwung zu bringen. „Viele Griechen möchten keine dauerhaften europäischen Hilfen, sondern ihre Zukunft aus eigener Kraft meistern“, bekräftig der CDU-Politiker.

„Vor Ort habe ich allerdings ein Spannungsfeld zwischen Reformbefürwortern und –gegnern erlebt, das durch die anstehenden Europa- und Kommunalwahlen im Mai verstärkt wird“, so Hermann Färber. „Die Reformgegner scheinen mir vor den großen Herausforderungen zu resignieren und deshalb Stimmung gegen die Pläne der Regierung zu machen." Bis zu seinen eigenen Erfahrungen in Griechenland, hätte er sich nicht vorstellen können, welche emotionalen Mechanismen dort eine Rolle spielen. "Nach meiner Einschätzung treibt die Reformgegner eine Existenzangst an, die ihnen die Vorstellungskraft für positive Veränderungen nimmt."

Während der dreitägigen Reise von Thessaloniki über Komotini bis nach Athen, führte die Delegation zahlreiche Gespräche mit Vertretern aus Politik, Wirtschaft und Ehrenamt. Dabei trafen sie auch mit dem griechischen Ministerpräsidenten Antonis Samaras und Pater Hieronymus, dem Oberhaupt der griechisch-orthodoxen Kirche, zusammen. Im Mittelpunkt der Gespräche standen wirtschaftliche Perspektiven für das krisengeschwächte Land, in dem über 61 Prozent der Jugendlichen arbeitslos sind.

„Ein wichtiger Ansatzpunkt ist dabei der Aufbau eines dualen Berufsausbildungssystems. In Athen und auf der Insel Kreta gibt es derzeit bereits zwei Pilotprojekte“, erklärt Färber. „Dort erhalten 82 Jugendliche eine Tourismus-Ausbildung nach deutschem Vorbild, die aus praktischen und theoretischen Elementen besteht.“ Eine weitere Berufsschule ist nun in Thessaloniki geplant. „Dadurch sollen gut ausgebildete Arbeitnehmer selbst kleine Betriebe gründen und somit neue Arbeitsplätze schaffen“, so Hermann Färber. In diesem Zusammenhang müsse man sich vor Augen halten, dass die wirtschaftliche Struktur völlig anders sei als bei uns. „98 Prozent der Unternehmen haben weniger als zehn Beschäftigte, Großunternehmen gibt es so gut wie nicht. Es müssen daher mehr Unternehmen gegründet werden, um mehr Arbeitsplätze zu schaffen“, erklärt der CDU-Politiker. Wichtig sei zudem mit derartigen Projekten den Einfluss des Staates weiter zurück zu drängen. „Früher haben die Betriebe ihre Auszubildenden meist nicht selbst ausgesucht, sondern sie wurden ihnen von der griechischen Arbeitsagentur vermittelt“, verdeutlicht Färber. Außerdem hätten sich die Menschen zu sehr auf den Staat als Arbeitgeber gestützt. „Eine Industrie wie wir sie kennen, existiert nicht“, so Färber.

Neben der Ausbildung von qualifizierten Mitarbeiten, sollen künftig auch deutsch-griechische Partnerschaften auf kommunaler Ebene gegründet werden, um Erfahrungen auszutauschen und wirtschaftliche Kontakte zu knüpfen. Ein Beispiel sind Erlangen und Komotini. „In der 70.000-Einwohner-Stadt in der Bergregion nahe der türkisch-bulgarischen Grenze gab es früher 100 Betriebe und 25.000 Arbeitsplätze. Heute sind es noch 15 mit 2.500 Beschäftigten“, verdeutlicht Hermann Färber. „Eine Perspektive tut sich nun im Bereich der Geothermie auf, an der die Uni Erlangen forscht.“ Komotini eigne sich hervorragend als Standort ebenso wie für ein mögliches Logistikzentrum im Dreiländereck. Aber auch der Anbau von Oliven, Spargel, Baumwolle und Tabak könnte in dieser Region weiter vorangetrieben werden. Auf ganz Griechenland bezogen, ergeben sich vor allem wirtschaftliche Perspektiven in den Bereichen Tourismus und Landwirtschaft.

„Einige fürchten durch derartige Bemühungen allerdings einen Identitätsverlust Griechenlands. Vor allem gegenüber Deutschland gibt es eine negative Haltung, die von der dortigen Presse immer wieder angeheizt wird“, erläutert Hermann Färber. Verschiedene Projekte sollen dem entgegen wirken und Vertrauen aufbauen. Eines davon ist der Verein „Hellenic Silverstars“, in dem sich ehemalige Gastarbeiter in Deutschland, die nun ihren Lebensabend in Griechenland verbringen, zusammengeschlossen haben. Sie kennen beide Länder, können zwischen den Völkern vermitteln und Vorurteile abbauen.

„Wir müssen den Griechen helfen Ausbildungs- und Arbeitsplätze zu schaffen, Gewerbe aufzubauen und die Wirtschaft in Schwung zu bringen. Nur durch derartige praktische Hilfen findet das Land aus eigener Kraft aus der Krise und ist nicht weiter auf finanzielle Unterstützung der EU angewiesen“, so Hermann Färber abschließend.

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